
Ein jeder weiß: naturtalente sind rar. Unserer klasse war jedoch das glück hold. Gleich zwei herrliche exemplare dieser seltenen und wertvo1len rasse weilten unter uns. Uber einen von ihnen ist schon ausfuhrl1cher gesprochen worden. Beschränken wir uns auf jenen mit dem kurzgeschorenen blonden haar. Sein wichtigstes erkennungsmerkmal ist sein grimmiger ehrgeiz, der ihm schon bis zum umfallen über die aschenbahn getrieben hat. Mit erfolg; denn seit dieser zeit gilt er als einer der schnellsten läufer der schule. Aber nicht nur bei sportlichen anlässen bricht bei ihm der ehrgeiz aus. Auch bei doppelkopf und bridge erobert sein naturtalent haufenweise spielkarten von den mitspielern.
Im deutschunterricht ist ihm ausreichend gelegenheit gegeben, seine rhetorischen fähigkeiten im verteidigen von thesen, an die er selbst nicht glaubt, auszubilden. Fruchten seine künste nicht, so ertönt der uns gutbekannte spruch:“ Nein, also das kann ich beim besten willen nicht einsehen.“
Zwar behauptet er, sich nie zu melden; aber dennoch läßt er keine gelegenheit aus, dem lehrer und den mitschülern zu zeigen, über welch umfangreiches wissen er verfügt.
Der einfluß der umgebung auf ihn erscheint im limes der Zeit gegen unendlich gleich null. Selbst das herzerweichende flehen seines vordermannes, die mickrige sparschrift aufzugeben, die das abschreiben so mühevoll und gefährlich macht, blieb ohne erfolg.
Fährt man ins ausland, dann natürlich der sprache wegen. Der erfolg ist erwartungsgemäß groß. Die geistige gemeinschaft mit dem nachbar im westen ergab ein lächeln, das so auffallend francophil und zugleich antianglistisch ist. Drei jahre lang konnten wir uns daran erfreuen und hoffen daß die vielen süßen knäblein, die noch unter seine pädagogische fuchtel kommen werden, auch genügend gelegenheit dazu haben werden.