Die Lehrer

In diesem Abschnitt haben wir Ankedoten und Zitate unserer damaligen Lehrer zusammengetragen. Vielleicht fehlt ja noch etwas? Dann bitte schnell zuschicken!

Aus chemiestunden

  • Ich und der herr direktor haben uns entschlossen, im chemie-praktikum keinen kochkursus aufzuziehen, denn sonst könnten wir auch gleich die handwerker kommen lassen, warm genug ist es ja.
  • Um gott’s willen, alles auf null, ich habe kein geld mehr, da müssen wir wieder glas biegen. Alles andere ist ja doch mehr als schwierig.

Kommen wir in einer theoretischen stunde auf ein aktuelles thema zu sprechen, so stellt sich heraus, daß wir zum größten teil klinisch schon tot sind.

  • Also jungens, mit den Zigaretten ist das mehr als gefährlich, da ist ja so viel arsen drin, daß man zehn köter damit vergiften könnte. Daß mir ja keiner mehr ohne Schutzbrille herumläuft.
  • Wer von ihnen will denn mal Chemie studieren? Na ja, sie werden sich noch umsehen, schon allein die bromdämpfe… aber ich will nichts gesagt haben, Hauptsache sie haben einen zensurenschnitt von 1.1, sonst kommen sie in Marburg nie an.

(Herr Thiele)

Arbeit ist ein hartes brot – Wer diesen spruch geprägt hat, hat nie bei herrn Schneidereidt eine deutscharbeit geschrieben. Durch seine bonbons wurde uns eher ein süßes leben beschieden.


Eine richtige berühmtheit befindet sich noch im kollegium. Startorwart von Eintracht Braunschweig ist sein zweiter beruf. Mit ganzem einsatz steht er zwischen den beiden pfosten und läßt sich halb zum krüppel treten, und wir müssen dann das gejammer mit anhören. Oh, kreuz kaputt, fuß verstaucht, finger verrenkt, gelenk ausgeleiert… aber gott sei dank, die dampfdusche in der sauna macht alles wieder gut. Dann noch ein fröhliches lied an­gestimmt, auf der schrammel begleitet, das ist doch was schönes! Ja, die heutige jugend ist doch zu schlapp, von 700 schülern melden sich nur 30 für den olympiafilm. Damals, da war es ganz anders. Gab es einen film über die blitzmädel an der front, dann gingen wir alle hin, geschlossen! Hennes ist schon ganz dufte!
Der läßt seine jungens wenigstens mal auf dem strich gehen, damit sie sich richtig austoben können. Dadurch, daß er die vornamen seiner Schüler kennt, gewinnt man schnell vertrauen zu ihm.

(Herr Jäcker)

Jeder Schüler hat seine meinung, und er hat das recht, diese dem anderen zu unterbreiten; aber am liebsten wäre es mir na­türlich, wenn sie nacheinander geäußert würden. Außerdem bedaure ich den Vorfall sehr, daß ein schüler die freiheit mißbrauchte und einen anderen während des unterrichte störend mit Stuhl umwarf.
Übrigens, wer heißt denn hier Klaus? Ja, manchmal plagt mich schon die neugier. Ich informiere mich dann über die neu­esten schachzüge und spiele sie in der Unterrichtsstunde gleich durch. Auch die neue russische aussprache erweitert mein wissen. Mein kehlkopf verhindert oft, daß ich selbst erzählen und das punktwissen der lieben Schüler abfragen kann. So greife ich oft auf die vielen freiwilligen meldungen für referate zurück.
So, und nun will der Doms mal an die tafel, der freut sich so. Hier Doms, das stöckchen, so nun erkläre mal, warum das Cu im krieg eine so uuuungeheure wichtigkeit hatte. Was wird denn aus kupfer gemacht? – Die führungsringe für granaten, herr doktor.- Guuut, der Doms will sich wohl die 1 verdienen, aber dafür muß er noch vorrechnen, wieviel km unsere Königstiger im Kaukasus zurücklegen konnten. Heißt du nicht auch Klaus?

(Dr. Finke)


Ich bin doch kein prophet, dem das moos in den ohren wächst!

(Dr. Schmidt)


Raten sie mit, wer ist das?

Er meint alle fachausdrücke des schülerjargons zu kennen. Nach seiner meinung hat er den beruf verfehlt, und somit ist der welt ein diplompsychologe verloren gegangen. Auf grund seiner lebenseinstellung bleibt er ewig jung, daher macht er manchmal den eindruck eines Oberprimaners mit doppelkinn (kein wunder was die schüler heute alles lernen müssen, dabei kommen sie ja gar nicht dazu, den kopf zu heben).
Beinahe wäre seine künstlernatur nicht berücksichtigt worden. Aber, aber, meine herren, keine Sprüche bitte. Ein künstler ist er nun mal, daran gibt es keinen Zweifel, Sogar ein berliner mußte das er­kennen: Kieke mal, ein babybeatle.
Er ist ein lehrer, der sich und den unterricht wichtig nimmt und daher auch die mangel­hafte allgemeinbildung der schüler durch wichtige fragen auffrischen will. Frage: Wie heißt die dritte frau des pharaos Tetratismoses aus der Blabla dynastie? Totenstille im weiten rund. Alle geben sich geschlagen, denn keiner von ihnen hat wie er am vorabend ein buch Über altägyptische ge­schichte gelesen.

(Herr Kickermann)


Die religionsstunde

14 tage fehlen noch bis zur zensurenkonferenz. Gute noten werden dringend benötigt. Wie gewöhnlich wartet der pater auf seine wenigen schäfchen. Heute aber füllt sich ganz unvorher­gesehen der klassenraum. Tief in ihre mäntel gehüllt, schlei­chen immer mehr schüler herein und setzen sich schuldbeladen in die reihen. -Katholiken?- fragt der pater ungläubig und zückt sein notizbuch. – Ja – kommt es leise zurück. Der pater nimmt die untreuen schäfchen in die gemeinschaft auf und gibt ihnen die 2, als zensurenausgleich.

In der ersten stunde nach den ferien doziert der pater wieder vor fast leeren bänken.

(Pater Steffen)


Ein protokoll aus der 11. klasse:

  • Du, horch mal Ibenholz, weißt du, ich habe mir mal überlegt, wo dein name herkommt. Also: iben kommt von eibe und holz von … Bartel feix nicht!

Sehr sorgfältig kämmt herr Studiendirektor seine haare.

  • Nu jungs, nu macht mal weiter. Ach da fällt mir ein, Bunke, du wolltest mir doch mal’n bild von Lutter am Barnberge mit­bringen. Ja jungs, da war nämlich ne große schlacht. Erzähl das man ruhig deinem vater Eichtal, der interessiert sich sicher auch dafür. Aber nu los Hahne, die griechen waren nämlich auch nicht so prüde. Der Zeus zum beispiel, wenn der so ein herrliches mädchen sah, das war doch… Zirkler grins nicht! So einer will nu die reife kriegen! Ich sage euch, ihr geht alle noch durch den sumpf. Ach Ibenholz, wie fandest du dem das schwarz-weiß-rote Himmelbett? Warst du auch schon drin Zepke? Das könnte dir wirklich nicht schaden.

Der herr Studiendirektor zieht aus der tasche eine kleine bür­ste hervor und bearbeitet damit das revers seines jackets.

  • Sag mal Dürrenmatt, hast du nicht einen verwandten mit dem gleichen namen?

Es klingelt.

  • Zur nächsten stunde seht ihr euch noch mal an, was wir heute durchgenommen haben, und vergeßt nicht für die geschichts­stunde die lehnspyramide.

Übrigens, wer es noch nicht bemerkt haben sollte, es handelte sich um eine deutschstunde.

(Herr Otto)


Nur einem teil der klasse ist er als Schmally bekannt.

Seine Zöglinge verdienen unser aufrichtiges mitleid, denn jedesmal wenn sich einer von ihnen aus berechtigten gründen nicht vorbereitet hatte, fand Schmally ihn bei der wirderholung des stoffes der letzten stunde todsicher heraus. Der wehrlose pennäler muß nun Schmallys ätzende strafpredigt über sich ergehen lassen. Völlig zerstört verbringt er mißmutig den rest der stunde. Zu allem überfluß maltreitiert Schmally nun noch den rest der klasse mit obszönen Sprüchen, die je­dem schüchternen oberprimaner die schamrote ins gesicht trei­ben. –Gegenseitige geschlechter ziehen sich nicht nur an, sondern auch aus.– Selbstgefällig beschließt er dann die stun­de mit einem jovialen; ff (Viel vergnügen) beim nächsten mal!

(Dr. Schmidt)


Zum kuckuck noch mal! Wer war das? Was sind denn das für gangstermethoden? – So versuchte unser kriminalistisch ver­anlagter erzieher mit blitzenden augen die wahrheit zu er­pressen. Als sich niemand freiwillig meldete, griff er zur letzten methode: der kugelschreiber wurde gezückt und in schreibstellung gebracht. Doch als sich der schüler dann doch noch reumütig meldete, brach wieder das gute herz durch und der kugelschreiber verschwand mit der beteuerung des schülers, es nie wieder zu tun.

(Herr Lange)


Ruhig betritt er die klasse. Er legt die tasche aufs pult; wir setzen uns, während er einen blick ins klassenbuch wirft, was er dort sieht, läßt das maß mal wieder voll werden. Er entschließt sich, uns ein wenig ins gewissen zu reden (oder war er dazu schon entschlossen, als er hereinkam?). Wie aus­wendig gelernt, prasseln auf uns die sünden der klasse aus den letzten wochen herab. Der klassensprecher wagt, etwas zu entschuldigen. Er läßt seine stimme nur noch lauter erschallen. Das vierteljahresdonnerwetter ist mal wieder fällig! Nach zwanzig minuten, in denen keiner wagt, eine stecknadel fallen zu lassen, und deren zeitraum wie eine ewigkeit erscheint, in der das lachen unbedingt verbissen werden muß, führt er den unterricht wie gewohnt lässig zu ende. Unangenehmer wird solch ein auftritt, wenn er sich zum schreien gerade dann entschließt, wenn ein unglücklicher aus der klasse an der tafel steht.

Er war der kapitän unseres klassenschiffes von der elften bis zur dreizehnten klasse. Sicher manövrierte er uns durch stürme und klippen, und nur sehr selten hatten wir – mann über bord – zu beklagen. Nur einmal, nach Kopenhagen, bestimmten wir den kurs. Die fahrt mit dem rad an die Romantische Straße war seiner überzeugungskraft zu verdanken, wie einige jedoch erst hinterher feststellten. Immer wieder begeisterte seine fähigkeit, über drei bänke hinweg die fehler in der hausarbeit zu entdecken und mit zigarette in der zitternden hand eine gerade linie oder einen kreis wie mit dem zirkel zu zeichnen.

(Herr Koop)


Sehr geehrter herr,

…woran denken sie, wenn sie an unsere gemeinsame Schulzeit zurückdenken?

SeiIch habe nie einen türken gebaut, sondern nur bolchen zur Stärkung verteilt.
FiIch hatte immer genug freiwillige meldungen.
ThEs war mehr als anstrengend, doch gott sei dank waren ja oft die handwerker da.
Gae  Sie können ja ruhig atheist sein, aber sie sollten offen sagen, was sie nun meinen.
KiBei uns an der Raabeschule war viel mehr los.
OtJeder geht mal durch den sumpf.
JaeNicht mal den olympiafilm wollten sie sich ansehen, diese supersportier!
KoEs lohnt sich nicht, auf die Wahrscheinlichkeit zu war­ten, daß sich jemand bei mir das abitur ersitzen kann.

Na, Zicklerchen, ach bist du naiv. Im Spiegel steht es doch so drin, dann muß es doch richtig sein! Denkt: Dem kerl möchte ich meine ostpreußische faust auf die nase hauen. Dieser holzknecht, der kann ja noch nicht mal’ne fuhre mist aus dem schweinekoben fahren. Da war ich aber anders. Ich mache ja heute noch jeden morgen 20 kniebeugen, und die 5 liegestütze lassen sich doch auch noch sehen. Ha, und wenn ich die drei treppen zur 12 a hinauf war, wie gut konnte ich dann verbergen, daß ich aus der puste war.
Nun aber an die arbeit: Schnell hole ich meine aufzeich­nungen aus meiner referendarzeit und lese daraus vor. Ha, das ist einfach. Tja, arbeitest du, wenn du jung bist, kannst schon mit fünfzig eine ruhige kugel schieben.
Warum grinst der Ibenthal bloss. Ach so, der hat wohl gemerkt, daß ich damals auch nur wörtlich aus dem lehrbuch abge­schrieben habe. Na, schwamm drüber. Der ist ja selber ein fauler hund. Verdammt, jetzt habe ich mich in der zeile geirrt. Sollte eigentlich nicht passieren. Ich muß mit dem finger draufzeigen, dann geht es besser. Aber in die­ser klasse kann ich es mir ja erlauben. Hat keiner gemerkt. Wie gut, die schlafen schon.
Ob sie eigentlich gesehen haben, daß ich heute zum erstenmal meine neue dunkelrote krawatte zu dem jägergrünen wollhemd angezogen habe, steht mir gut. Auch die 5 kugelschreiber in der brusttasche machen sich ganz gut. Das blitzt so schön.
Oh verflixt, jetzt habe ich eine falsche staupause eingelegt. Der satz hat so gar keinen sinn. Soll ich wiederholen? Och, nee, hat ja doch keiner gemerkt, die schlafen wirklich; aber das liegt nur an dem schlechten licht hier. Ich müßte ja auch mal zum augenarzt.

(Herr Schneidereidt)


Wenn der Zahnarzt tiefer bohrt, kommt er letztenendes in den kiefer. Wenn wir lehrer bei der prüfung tiefer bohren, kommen wir schließlich in hohlräume, die schon als vakuum zu bezeichnen sind.

(Herr Thiele)


Non scholae sed vitae disciums.

Nicht selten hatten wir gelegenheit bei der bestimmung des einheitssektors diese these zu verwerfen und zu belächeln. Häufig wurden die armen schüler mit dingen gequält, die später nie angewendet werden können. Andererseits werden dinge vernachlässigt, die später bestimmt ein mal von bedeutung sein könnten. Wenn schon die sachlichen fâcher diesen tadel über sich ergehen lassen müssen, wie wird es dann mit den anderen stehen? Die löbliche ausnahme bildete der evangelische religionsunterricht. Be­sonders in den letzten 3 jahren vermittelte er uns solch eine fülle von wissen und erkenntnissen, die uns bestimmt im späteren leben von nutzen sein werden. Der stoff wurde uns auf einprägbare art mitgeteilt. Bei allen diskussionen mußten wir manchmal feststellen, – daß nur noch er es war, der alles aussprach und auch das eigene nichtwissen vor den Schülern nicht verbarg. Unverholen stand er zu seiner überzeugung und wagte es offen von so unmodernen begriffen wie „glaube“ und „demut“ zu sprechen. Erzählte er uns dann noch, daß er vor jeder schulstunde um ein gelingen betete, so war man unwillkürlich betroffen.

In einer solchen atmosphäre wird offener gesprochen und letzten endes haben wir am meisten davon profitiert. Heutzutage trifft man selten menschen, die bekennen, die zugeben, menschlich zu sein, d.h. mit fehlem behaftet. Allerorten wird geschauspielert und ein jeder versucht, die eigene person ins rechte licht zu rücken. Um so auf­fälliger und angenehmer ist dann die Zusammenkunft mit einer persönlichkeit, wie es unser religionslehrer war.

(Pastor Gaevert)